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23. Februar 2003 UC-Hauptseite Forum Impressum Nr. 37 / 8. Woche

Hackerlegende Karl Koch - Die Geschichte eines kurzen Lebens

von Roland Silberschmidt

Mit dem Namen Karl Koch verbinden Insider sofort den Begriff "Hacker", die Zahl "23" und das Wort "Illuminaten." Für die breite Öffentlichkeit dagegen gilt Karl Koch alias Hagbard Celine, noch immer als der skrupellose jugendliche KGB-Spion und drogensüchtige Computer-Hacker. Doch wer war Karl Koch wirklich? Der geniale Verbrecher als den ihn Justiz und Presse darstellten, oder ein fehlgeleiteter, einsamer Mensch?
Karl lebte seit seiner Kindheit in einer eigenen Welt. Einer Welt die wenig mit der Realität, sondern vielmehr mit Träumen und fiktiven Geschichten zu tun hatte. Ausschlaggebend für Karls Werdegang war vermutlich auch der frühe Tod seiner Mutter, die 1976 an Krebs starb, sowie das Geschenk seines Vaters, der dem damals 14jährigen Karl die Trilogie "Illuminatus" schenkte, nach deren Hauptfigur er sich schließlich nannte. Karl floh in die Welt der Illuminaten, weg von seinem mit Alkoholproblemen belasteten Vater. Haschisch und Beruhigungstabletten prägten schließlich das Leben des jungen Mannes, der sich immer mehr in den Geschichten um die Illuminaten verlor. Hier ein kurzer Auszug aus dem Werk der beiden Autoren Robert Anton Wilson und Robert Shea:

"Du fühlst Paranoia aufkommen? Ausgezeichnet. Illumination steht auf der anderen Seite des absoluten Schreckens. Du mußt voll und ganz realisieren, daß du ein Fremder bist und ängstlich in einer Welt, die du nicht gemacht hast", fordern die Diskordier. Vielleicht auch die Illuminaten. Weltverschwörer in jedem Fall, gute oder böse. Diese Geheimbünde beherrschen die Welt und versuchen, das Denken der Menschen zu kontrollieren.

Karl Koch nimmt die Bücher wörtlich, glaubt an die weltweite politische Verschwörung. Sein von Drogen umnebelter Verstand vermischte Fiktion und Wirklichkeit zunemhend, was ihn schließlich in den Abgrund führte. Informationen wollte er austauschen und die Wahrheit über bestimmte Zusammenhänge herausfinden, so wie Hagbard Celine, der Held des Buches "Illuminatus", unter dessen Namen er sich schliesslich ins Fermilab in Chicago einhackt und sich damit in der Szene einen Namen machte. Davon angespornt beschließt er im Jahr 1986 zusammen mit Bekannten, daß sie ihr Können in Geld verwandeln wollten.

Seine Rechtfertigung für diese Taten war, dies alles nur im Sinn der Informationsfreiheit zu tun. Die Hacker dringen in die Rechenzentren großer Institutionen und Militäreinrichtungen in den USA ein, stehlen dort Daten und verkaufen sie an den sowjetischen Geheimdienst KGB weiter. Der in der nachfolgenden Zeit immer mehr an Verfolgungswahn leidende Karl, läßt sich mehrfach in Landeskrankenhäuser einweisen. Dort ersetzen starke Psychopharmaka vorübergehend die illegalen Drogen. Offenbar von Gewissensbissen geplagt, offenbart er sich im Juli 1988 schliesslich dem Verfassungsschutz. In den folgenden Monaten wird er wieder und wieder verhört, wobei ans Tageslicht kommt, daß er nur insgesamt 20.000 Mark vom KGB für die gelieferten Informationen erhalten hatte.

Karl Koch stirbt am 23. Mai 1989, gerade einmal 23 Jahre alt. Damals hatte er seinen Arbeitsplatz als Fahrer bei der Landesgeschäftsstelle der CDU in Hannover verlassen und war nicht mehr zurückgekommen. Seine verbrannte Leiche fand man in einem Birkenwäldchen bei Gifhorn. Die Todesumstände sind bis heute ungeklärt. In hilfloser Wut bezichtigen seine Schwester sowie Freunde den Verfassungsschutz und den BND, aber die Mauer des Schweigens ist undruchdringlich. Noch kurz vor seinem tragischen Tod hatte Karl sich damit gebrüstet, kein Geheimdienst könne es sich noch erlauben, ihn umzubringen. Er, Karl sei inzwischen so bekannt, daß ein gewaltsamer Tod ihn zum Märtyrer für Abrüstung und Informationsfreiheit machen würde. Offenbar ein Irrglaube des jungen Mannes, denn da am Tatort keine Schuhe gefunden wurden und der Wald bei der damals vorherrschenden großen Trockenheit teilweise hätte abbrennen müssen, bestehen zumindest berechtigte Zweifel am Selbstmord Karl Kochs.

Doch ob es nun Mord oder Selbstmord war, eins zumindest steht fest, die "23" gilt in den Illuminatengeschichten als magische Zahl und Todesdatum "aller großen Anarchisten". Vielleicht hatten auch Hans-Christian Schmidt und Michael Gutmann bei ihrem Film "23" aus dem Jahr 1999 ihre Zweifel am Freitod des Hackers. Zumindest aber erwiesen sie Karl Koch damit späte Ehre, denn die Hauptfigur des Films ist ihm nachempfunden und machte ihn nachträglich unsterblich.

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