WDR Computerclub - Eine Legende stirbt
ein Rückblick von Udo Wenzek
Wohl jeder, der sich vor rund 20 Jahren etwas für Computer interessiert hat, hat ihn gesehen. Jahrelang hat der Computerclub den PC Freak begleitet, ihm neue Techniken erklärt und so manche verrückte Bastellei vorgestellt. Einige davon sind auch heute noch Kult. Und jetzt, nach über 20 Jahren, wird der WDR Computerclub eingestellt. Am gestrigen Samstag, dem 22.02.2003 um 11:30 wurde die letzte Folge des Computerclubs ausgestrahlt. Damit geht ein Stück deutsche Fernseh- und Computergeschichte zu Ende. 20 Jahre in denen Computer mein Leben geprägt haben und in denen der Computerclub ein regelmässiger Begleiter war.
Wie alles anfing
Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich Mitte 1981 zum ersten Mal mit einem Computer in Kontakt gekommen bin. In meiner Schule wurde eine freiwillige Veranstaltung mit dem Namen "Computer AG" angeboten. Ein engagierter Mathe Lehrer bot interessierten Schülern Computerstunden an einem CBM 3032 an. Das war eine faszinierende neue Materie. Wir programmierten in BASIC, die Sprache, die der CBM von Hause aus verstand. Begierig wurden alle Informationen über Computer gesammelt. Die meisten kamen aus den USA. Wer kennt noch Zeitungen wie die "Compute"? Auf dem deutschen Markt war kaum etwas über Computer zu finden, es gab nur die MC, die c't erschien erst später.
Und genau in dieser Zeit flimmerte die erste Ausgabe des WDR Computerclub über die Bildschirme. Anfangs noch als Teil der Sendung FF, ab Januar 1983 dann als WDR Computerclub. Präsentiert von Wolfgang Back und Wolfgang Rudolph wurden die neuesten Errungenschaften der Computertechnik vorgestellt, Interviews mit Firmen und Freaks geführt und ab und zu einfach verrückte Basteleien präsentiert, von denen einige heute noch Kultstatus haben. Ich erinnere nur an den Trommelscanner, der aus einem alten Plattenspieler aufgebaut wurde. Zitat aus der Homepage von Wolfgang Back: "Ein alter Plattenspieler musste als Antriebsmechanismus herhalten. Vorteil: ziemlich genau geregelte Umdrehungszahl. Ein kurzes Abflussrohr (Durchmesser 10 cm) wurde senkrecht auf den Plattenspieler gestellt und leicht befestigt. Um das Rohr war die zu scannende Vorlage geklebt (DIN A 4). Eine Gewindestange wurde von einem Schrittmotor vom Computer aus gedreht. Ein Fototransistor wurde so nach und nach von oben nach unten bewegt. Der Plattenspieler drehte sich, der Fototransisitor tastete die Vorlage ab und meldete die Grauwerte dem Computer. Fertig war der Selbstbauscanner." Man musste nur Ideen haben und sie umsetzen. Beides war beim WDR Computerclub gegeben.
Ein weiteres Beispiel ist der Roboterarm, der über Lichtpunkte auf dem Bildschirm gesteuert wurde. Er sollte zwei Eier in die Pfanne hauen und anschliessend salzen. Das Ganze ging etwas daneben und wurde von den Moderatoren mit Humor aufgenommen, aber das Prinzip funktionierte, auch wenn es nicht ausgereift war. Der Computerclub war eine Sendung von Freaks nicht nur für Freaks. Die Beiden verstanden es komplizierte Zusammenhänge einfach zu erklären.
Der Know-How Computer
Anfang der 80er Jahre war es nicht selbstverständlich, dass sich jeder einen Computer leisten konnte. Die Preise für die Geräte lagen anfangs weit über 5000 DM. Um den Zuschauern zu erklären, wie Computer funktionieren, wie sie rechnen und wie einfach man sie programmieren kann, wenn man das Prinzip verstanden hat, entwickelten Wolfgang Back und Ulrich Rohde den Know How Computer, den weltweit wohl einzigen Computer, der aus einem Blatt Papier besteht und einen Stift als Programmzähler benutzt. Man wurde nicht müde in jeder Sendung das System zu erklären und Beispiele vorzuführen, bis auch der letzte verstanden haben muss, wie man mit dem Know How Computer arbeiten kann. Noch heute wird das Prinzip des Know How Computers in Schulen eingesetzt um verständlich zu machen, wie ein Computer addiert oder multipliziert. Inzwischen wurde das Konzept des Know How Computers auch für den PC umgesetzt. Ein entsprechendes VB Programm, dass die Papiervorlage simuliert, gibt es auf der Homepage von Wolfgang Back.
Vom Hard-Bit-Rock zu Videodat
Die Preise fielen und langsam hielt der sogenannte Homecomputer Einzug in die Wohnzimmer der ersten Computerfreaks. Namen wie ZX81, Texas Instruments 99/4a, VC20, TRS 80, Atari 400, später dann auch der C64 um nur einige zu nennen, waren in aller Munde. IBM dachte zwar schon über einen PC nach, doch noch war davon weit und breit nichts zu sehen.
Diese Computer verfügten maximal über eine Diskettenstation zur Datenspeicherung. Standard war eine sogenannte Datasette, auf der die Programme auf normalen Cassetten als schrille Pfeiftöne (FSK-Modulation) gespeichert wurden. Von Internet oder anderen Netzwerken konnte man nur träumen. Trotzdem fand der WDR Computerclub eine Möglichkeit, wie man über das Fernsehen Computerprogramme übertragen konnte. Man kündigte einfach an, welches Programm für welchen Rechner nun übertragen wird und sendete dann die Daten als Pfeifftöne über den Fernsehlautsprecher. Wer das Programm haben wollte, musste diese nur mit einem Kassettenrekorder aufnehmen und konnte sie anschliessend in seinen Computer laden. Auf diese Weise konnten 6 KByte pro Minute übertragen werden. Wenn man bedenkt, dass der ZX81 gerade mal 1 KByte RAM besass, der VC20 schon 5 und erst der C64 64 KByte hatte, so langte diese Geschwindigkeit völlig um kleine Programme zu übertragen. Diese Methode wurde scherzhaft Hard-Bit-Rock genannt.
Auch Heimcomputer wurden moderner, bekamen mehr Speicher und Schnittstellen. Man überlegte sich eine neue Lösung zum Übertragen der Programme und fand diese 1986 in Videodat. Die geniale Idee bestand darin, in der oberen linken Ecke des Bildschirms acht Striche darzustellen, die mal weiss und mal schwarz geschaltet wurden. Jeder dieser Striche representierten 1 Bit, so dass immer 1 Byte übertragen wurde. Eine einfache Schaltung, die zwischen dem Videoausgang des Fernsehgerätes oder Videorekorders und der seriellen Schnittstelle des Rechners geschaltet wurde, übertrug die Daten zum Computer. Die Software bestand aus einem einfachen DFÜ Programm, dass die Daten mit den damals üblichen 300 Bit/sec gelesen hat.
Die Idee war neu und revolutionär und wurde 1990 auch von pro7 übernommen und in veränderter Form eingesetzt.
Langsam ging die Ära der Homecomputer vorüber, der PC war immer mehr im Kommen. Was blieb, war der WDR Computerclub.
Lallus
Mit dem PC kamen auch die Unmengen an fertigen Hardwarelösungen in Form von PC Steckkarten oder externen Geräten, die über den seriellen oder parallelen Port an den PC angeschlossen werden konnten.
Auch beim WDR Computerclub wurde überlegt, ob man nicht wieder eine Hardwarebastelei anbieten sollte, Lallus war geboren.
Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass Lallus ein Projekt zur Überwachung des eigenen Hauses ist. Man bekommt Informationen über den Zustand der Heizung, der Alarmanlage, kann die Rollos fernsteuern, das Licht ein- und ausschalten usw. Das Projekt Lallus soll auch nach dem Ende des Computerclubs fortgesetzt werden.
Einen besonderen Status hatten auch die WDR Computerclub Nächte, auch wenn es nur 3 gab. Die erste wurde anlässlich der 250. Sendung vom 5. auf den 6.12.1998 ausgestrahlt. Dieser Premiere sollten am 11./12.12.1999 und am 3./4.11.2001 zwei weitere Computernächte folgen.
Mit Einstellung des WDR Computerclubs wird eine der besten Sendungen im deutschen Fernsehen zu Grabe getragen. Einige Fans haben den Kampf jedoch noch nicht aufgegeben und versuchen mit Unterschriftenaktionen den WDR dazu zu überreden, die Sendung nicht einzustellen. Ich kann ihnen nur viel Erfolg wünschen, denn keine Sendung hat mich über eine so lange Zeit so nachhaltig geprägt, wie diese.
Und so möchte ich an dieser Stelle mit dem bekannten Ausspruch der Sendung enden und ein Bit übrig behalten.
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externe Links:
WDR Computerclub
Wolfgang Back Homepage
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Videodat
Lallus
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