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09. Februar 2003 UC-Hauptseite Forum Impressum Nr. 37 / 6. Woche

Die Geschichte des Personal Computers - Teil 2 Geniac

IT-Geschichte von Susanne Fiedler

In der letzten Woche wurde die erste Rechenmaschine vorgestellt, die eventuell den Namen Personal Computer verdient, der Simon. Eine weitere frühe Rechenmaschine, die der erste Personal Computer sein könnte, soll heute vorgestellt werden: der Geniac.
Er stammt wie der Simon aus der Computerschmiede Berkeley Enterprises. Der Geniac ist ein Bausatz, der 1955 erstmals vorgestellt wurde. Geniac bedeutet Genius Almost-Automatic Computer. Er wurde sowohl von Berkeley als auch in Lizenz von anderen Firmen vertrieben. Zu seiner Zeit war er der erfolgreichste und am weitesten verbreitete Rechenmaschinen-Baukasten. Auch wenn der Umgang mit ihm mehr Handarbeit erforderte als der Simon, halten den Geniac nicht wenige für den ersten PC, weil er so flexibel, vielseitig und günstig war.

Leistungsdaten
Im Gegensatz zu Simon arbeitet Geniac nicht mit Relays sondern mit elektrischen Drehschaltern. Je nach Verkabelung und Anordnung der Drehscheiben konnte konnte Geniac rechnen, logische Operationen durchführen oder Spielen. Die Anleitung für das Tic-Tac-Toe Spiel und Nim waren damals sehr beliebt. Die Programmierung erfolgte also nicht über Lochkarten sondern durch den Umbau der Maschine. Die Ergebnisse wurden wie beim Simon mit Lichtsignalen ausgegeben. Der Geniav war batteriebetrieben.
Der Bausatz bestand aus über 400 Teilen und in dem dazugehörenden Handbuch wurden über 30 verschiedene Bauanleitungen für die unterschiedlichsten Rechenaufgaben genau erklärt. Schnell tüftelten User weitere Anordnungen für andere Spiele oder Rechenaufgaben aus. Sie wurden in insgesamt fünf Büchern veröffentlicht. Selbst heute sind im Netz noch Bauanleitungen zu finden. Interessant sind vor allem die Scans des Handbuches von Computercollector, nach denen man heute noch einen Geniac bauen könnte.

Preis
Seinen Erfolg verdankt Geniac sicherlich auch seinen Preis. Während der Simon noch zwischen 300 und 4000 USD kostete, war der Geniac mit gerade einmal 19.95 USD wirklich für jeden erschwinglich.

Fazit
Durch seine enorme Variabilität kann wohl kaum eine Rechenmaschine der damaligen Zeit mehr ?Personal? sein als der Geniac. Andererseits stellt sich die Frage, ob man Geniac als Personal Computer beschreiben kann. Denn im engeren Sinne wird mit dem Geniac nicht eine Maschine mit einer Aufgabe gefüttert, sondern die Maschine der Aufgabe angepasst.
Trotzdem war der Geniac mit seinen Möglichkeiten für die damalige Zeit eine faszinierende Maschine und er beeindruckt noch heute. Er rechnet schneller als ein Mensch, war flexibler als jede andere bis dahin entwickelte Rechenmaschine und dabei günstiger als alle anderen. Aufgrund seiner Popularität entwickelte Berkeley weitere ähnliche Rechenmaschinen, wie den Tyniac (= Tiny Almost-Automatic Computer, sozusagen ein kleiner Bruder von Geniac mit 250 Teilen und für nur 9.95 USD), den Weeniac (= Weeny Almost-Automatic Computer), von dem allerdings nur 60 verkauft wurden, und dem Brainiac (= Brain-Imitating Almost-Automatic Computer).
Wenn man den Geniac vielleicht auch nicht als ersten Personal Computer sieht, so ist er doch sicherlich die erste Volksrechenmaschine. Denn aufgrund des geringen Preise war er an vielen Schulen und fand darüber auch Einzug in die Familien.

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