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07. September 2003 UC-Hauptseite Forum Impressum Nr. 37 / 36. Woche

Bolbären im Nebel

von Klaus Bolbär

Manchmal wenn ich auf meinen Streifzügen durch die Galaxis bin, fallen mir besondere Bolbären auf. Einige von ihnen sind traurige und einsame Geschöpfe, doch viele von ihnen sind interessant. Doch alle haben eins gemeinsam, nämlich eine eigene Geschichte. Und davon habe ich in den vergangenen Monaten oft berichtet. Jetzt da sich ein nicht nur für deutsche Verhältnisse heißer Sommer seinem Ende zuneigt - auch auf dem Vulkan gab es dieses Jahr eine sengende Gluthitze - und ich mich davon auf dem kühlen Planeten Nebula 5 ein wenig erhole, lasse ich das letzte Jahr ein wenig Revue vor meinem geistigen Auge passieren. Ein wenig nachdenklich sitze ich am Ufer des großen Nebelmeeres, dem größten Ozean auf Nebula 5 und schaue gedankenverloren in die sanfte Brandung. Hier spielt Zeit keine Rolle, hier wirkt alles unvergänglich, ewig und seltsam zeitlos.

Von Wegen

Vor einigen Wochen habe ich mich auf der Erde mit meinem alten Freund SilverS unterhalten. Das war kurz vor meinem Abflug. Wir unterhielten uns über alte Zeiten und was wir alles schon gemeinsam erlebt hatten. Dabei hatte ich ein wenig den Eindruck als ob auch er, einer der größten galaktischen Helden nicht mehr so recht wüßte, wohin ihn sein Weg in Zukunft führen würde. Er erschien mir seltsam melancholisch und grüblerisch. Zuerst verstand ich ihn nicht so recht, konnte doch gerade er auf ein erfülltes und abenteuerliches Leben zurückblicken. Unzählige Schlachten hatte er geschlagen, viele davon an meiner Seite. Doch irgendwie erschien ihm das plötzlich nicht mehr als so wichtig. Er schien des kämpfens müde geworden zu sein, ein Umstand der mich zutiefst erschreckte. Besorgt fragte ich ihn damals was denn mit ihm los sei und ob ich ihm irgendwie helfen könne? Doch er verneinte das mit einem Lächeln. Er sagte daß er wie schon so oft in seinem Leben an einer Wegkreuzung stünde. Dabei aber nicht so recht wisse, welchen Weg er einschlagen solle. Ich riet ihm damals nicht den scheinbar einfachsten Weg zu nehmen, aber auch nicht auf ewig vor der Kreuzung zu verharren. Und ich riet ihm auch, den einmal eingeschlagenen Weg dann nicht in Frage zu stellen und die Entscheidung im Nachhinein zu bereuen. Denn es gibt keine falschen Entscheidungen in unserem Leben. Alle Entscheidungen die man trifft sind richtig, auch wenn sie nicht immer zu dem gewünschten Ziel führen. Aber jeder Weg führt zu einem Ziel.

Die Frage nach dem Wohin

Jetzt, einige Wochen später, stehe auch ich plötzlich vor einer Wegkreuzung. Losgelöst von den Pflichten des Alltags stellt sich auch mir die Frage nach meiner Zukunft. Was werde ich als nächstes tun? Werde ich weiterhin als kritischer Beobachter die Wege der Menschen und Bolbären begleiten, oder werde auch ich einen Weg einschlagen den nie ein Bolbär zuvor gegangen ist? Zugegeben hat die mysthische Atmosphäre hier auf Nebula 5 viel mit meinem momentanen Grübeln zu tun. Frei von allem kann ich hier ein ungezwungenes und unbeschwertes Leben führen. Hier kennt mich niemand, hier bin ich nur ein Besucher von vielen. Niemandem würde ich großartig auf- oder zur Last fallen. Auf der anderen Seite gibt es noch so viel zu tun, noch so viel zu sehen. Und dann sind da noch meine alten Freunde, meine Kampf- und Weggefährten. Will und kann ich sie so einfach im Stich lassen? Soll ich wirklich in den Nebeln der Zeit verschwinden und nichts als die Legende, die Erinnerung an mich zurücklassen? Es gibt den Ausspruch Ein jegliches hat seine Zeit. Aber manchmal glaube ich, daß jedes Geschöpf Zeit für sich selbst und seine Ideen, ja seine eigene Selbstverwirklichung braucht. Immer nur für andere da zu sein, immer nur nach der Pfeife anderer zu tanzen, oder nach deren Regeln zu spielen, ist auf Dauer einfach nicht das was das Leben ausmacht. Und obwohl ich ein treuer Freund bin, kann ich jetzt die Zweifel des Silver Surfers besser verstehen. Er würde mir fehlen, soviel steht fest. Und nicht nur er, auch andere die ich im Lauf der Jahre kennen-, schätzen, und lieben gelernt habe. Aber das Leben geht immer weiter. Es fragt nicht nach dem wie und warum, es verharrt nicht in Agonie. Für jedes Leben das endet, entsteht irgendwo neues Leben.

Die Krieger der Abendsonne

Vielleicht so habe ich mir überlegt, vielleicht sind SilverS und ich so etwas wie Krieger der Abendsonne. Müde von all den Kämpfen und daher ohne wirklich Perspektive für die Zukunft. Vielleicht sind wir auch wie alte Boxer die einen Kampf zuviel gemacht, oder sich vom letzten Kampf noch nicht richtig erholt haben. Vielleicht brauchen wir beide eine Pause, bis sich eine neue Herausforderung in unserem Leben ergibt. Das mag nun alles etwas düster und traurig klingen, aber genau das ist es aber nicht. Es sind nur die Gedanken eines alten Helden, wenn ich mich selbst einmal so bezeichnen darf. Vielleicht ist es Ihnen liebe Leser auch schon so ergangen, daß sie ein wenig lust- und atriebslos waren und keine Perspektive in ihrem Job, beim Studium oder in der Schule gesehen haben. Oder vielleicht hatten Sie auch einmal das eine oder andere Problem im Privatleben, der Möglichkeiten gibt es hier viele. Während ich dies schreibe, habe ich mich so nebenbei meinen Computer ein wenig entrümpelt und mich von tausenden von Megabytes getrennt, die ich für eine lange Zeit von einem PC zum anderen mitgeschleppt habe. Denn manchmal ist es Zeit für Trennungen, Zeit sich von Gerümpel jeglicher Art zu befreien. Dies zeigt mir, daß ich auf dem richtigen Weg bin, daß der Blick zurück mich die ganze Zeit nur lähmte und mir den Sinn für neue Dinge nahm.

Die Schlacht am OK Coral

Ich denke nahezu jeder von Ihnen kennt die beiden legendären Revolverhelden Wyatt Earp und Doc Holiday. Und ich denke daß die Mehrheit ebenfalls von der Schlacht oder besser Schießerei am OK Coral gehört hat. Irgendwie vergleiche ich SilverS und mich mit Wyatt Earp und Doc Holiday, auch wenn keiner von uns krank oder ein Revolvermann ist. Aber auch wir haben unsere Schlacht im OK Coral gehabt. Und auch wenn wir sie überlebt haben, so sind scheinbar doch Spuren bei uns zurückgeblieben, die wir beide im ersten Moment nicht bemerkt haben. Und vielleicht sollten wir daher beide unseren eigenen Weg gehen, wohin auch immer er uns führen wird. Es heißt, daß Wesen wir wir im Nebel der Zeit vergessen werden. Daß man sich eines Tages einfach nicht mehr an sie erinnert, auch deshalb da sie nicht mehr gebraucht werden. Doch ich für mein Teil bin kein Geschöpf das darauf wartet vergessen zu werden. Und meinem Freund und alten Gefährten dem Silver Surfer geht es nicht anders. Wir werden immer dort zu finden sein wo man uns braucht. Stets unbequem und rebellisch, anders eben. Obwohl ich nicht weiß wo die nächsten Schlachten geschlagen werden, so darf ich Ihnen doch versichern, daß ich dabei sein werde. Und obwohl der Nebel hier auf Nebula 5 gerade wieder dichter wird und obwohl ich für heute darin verschwinden werde, so wird es doch eine Rückkehr geben. Doch bis dahin verabschiede ich mich von Ihnen liebe Leser und wünsche Ihnen alles Gute. Machen Sie's gut bis zum nächsten Mal und vergessen Sie mich nicht.

Ihr nebliger

Klaus 'Doc' Bol(iday)bär ;-)

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