Einige Gedanken zum 11. September
von Roland Silberschmidt
Ein Jahr ist es nun her, seit die grauenhaften Terroranschläge auf Amerika das Bild der Welt verändert haben. Die Welt ist dünnhäutiger geworden, sensibler, ängstlicher. Vorbei die unbeschwerte Zeit in der scheinbar alles möglich war. Eine Gruppe von Fanatikern hat es geschafft ein Netz von Terror und Angst über die Welt zu legen, in dem diese zu ersticken droht. Wie nun begegnet die Welt dem Terror, was ist in diesem Jahr anders geworden? Böse Zungen behaupten Amerika habe den 11. September dazu benutzt, um seine Vormachtstellung in der Welt zu festigen und seine Bündnispartner auf den eigenen Kurs einzuschwören. Unter dem Deckmantel der Allianz gegen den Terror sei die amerikanische Kriegsmaschinerie angelaufen, um sich nun endgültig die Vormachtstellung am Golf zu sichern. Diese Gedanken sind nicht einmal so abwegig, denn das neuste Ziel der USA ist ein durchaus bekanntes, nämlich der Irak mit seinem Diktator Saddam Hussein. Doch Amerika geht es dabei gar nicht so sehr um das Land und die Bevölkerung, sowenig wie das in Afghanistan der Fall war. Hier werden gezielt amerikanische Interessen ins Spiel gebracht, die man getrost auf ein einziges Wort reduzieren kann: Erdöl!
Osama bin Laden und sein Netzwerk des Terrors haben den USA mit dem 11. September eigentlich einen Gefallen getan. Denn nun können die Amerikaner ganz unverhohlen ihr lange geplantes Ziel verfolgen, nämlich einen Krieg gegen den Irak zu planen. George W. Bush will offenbar das vollenden, was sein Vater während des Golfkrieges nicht geschafft hat. Während der Rest der Welt noch immer um die Opfer des Anschlages trauert, während das Leid das abertausenden von Menschen zugefügt wurde noch immer in den Köpfen der Hinterbliebenen andauert, sind die USA längst einen Schritt weiter und endgültig dabei, die Vormachtstellung in der Welt zu übernehmen. Das paradoxe daran ist jedoch, daß viele das klar und deutlich erkennen, aber trotzdem weiter Solidarität mit den USA üben. Allen voran der englische Premierminister Tony Blair, der wie jeder seiner Vorgänger sofort an die Seite Amerikas geeilt ist, um den letzten Rest von Größe des Britischen Empire zu wahren. Man möge mich nicht falsch verstehen, ich mag die USA sehr und bin praktisch seit meiner Jugend ein „Fan“ dieses einzigartigen Landes. Aber gerade deshalb übe ich hier auch gezielt Kritik, oder weise zumindest auf existierende Mißstände hin.
Doch zurück zum 11. September 2001, der sich zum ersten mal jährt. Die ganze Welt hat mit dem feigen Anschlag etwas von ihrer Unschuld verloren. Wir die wir die Bilder des Grauens gesehen haben, stehen noch immer unter dem ungeheuren Eindruck der einstürzenden Zwillingstürme des World Trade Centers. Und die Welt hält an diesem 11. September 2002 erneut den Atem an und stellt sich die bange Frage, ob sich diese oder ähnliche Ereignisse wiederholen werden oder können.Ich kann nur hoffen solche Bilder niemals wieder sehen zu müssen, so wie auch überhaupt Bilder von Kriegen die egal wer unter welchem Vorwand auch immer führt. Auch wenn ich mit meinem Wunsch nach einer besseren Welt wohl relativ allein dastehen werde, so hoffe ich doch daß der Tod von so vielen Menschen vor einem Jahr nicht umsonst war und daß er etwas bewirkt hat, was Signalwirkung auf die Völker der Erde hat. Ich wünsche mir Frieden, keinen Terror mehr, keinen größenwahnsinnigen amerikanischen Präsidenten, sondern eine Welt in der wir alle in Frieden und Freiheit miteinander leben. Eine Welt frei von Hunger und Terror. Aber das wird wohl auf unabsehbare Zeit nur ein Wunschtraum bleiben.