von Roland Silberschmidt
Fassungslos sitze ich einige Wochen nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 noch immer an meinem PC und versuche zu begreifen, was die Nachrichten mir seit Tagen vermitteln: Gerhard Schröder hat endgültig kapituliert. Der nächste Bundeskanzler bzw. Kanzlerin, wird Angela Merkel heißen. Mir gefällt das nicht, aber es wird keine Rolle spielen. Überhaupt werden wir Bürger nun vier Jahre lang, keine Rolle mehr spielen. Unsere Zeit ist vorbei, so wie die des Medienkanzlers.
Dabei fing alles so gut an, im Herbst vor sieben Jahren. Und auch die Schrödersche Wiederwahl 2002, war erfolgreich. Doch dann lief einiges aus dem Ruder und das Schiff Deutschland kam ins schlingern. Gerhard, der Steuermann gab eine Richtung vor, der seine Matrosen nur widerwillig folgten. Sie ahnten die Gefahr in der sie sich befanden, als sie in die unbekannten Gewässer steuerten. Doch die Lichtgestalt der SPD zerstreute ihre Bedenken entweder, oder drohte mit dem Ausstieg aus dem Boot. Murrend gehorchten die roten Matrosen und ihre grünen Kumpane, taten es ihnen gleich.
Tiefe Wasser
Ein jegliches hat seine Zeit sagt man. So mag auch der Bundeskanzler der rot-grünen Koalition gedacht haben. Dabei sah er allerdings nicht, dass seine Zeit dabei war abzulaufen. Noch weniger begriff er wohl, dass er mit seiner sich immer mehr an das konservative Lager annähernden Politik, auf dem falschen Kurs war. Niemand, der Schreiber dieser Zeilen eingeschlossen, verstand die Notwendigkeit der Agenda 2010, oder die Einführung der unsäglichen Ökosteuer, um nur zwei Beispiele zu nennen. Letztere allerdings war bekanntlich ein Zugeständnis an den grünen Bündnispartner. Was ich verstand war die Notwendigkeit, Geld zu sparen. Doch nach immer neuen Haushaltslöchern, war alles was die Regierung tat, nichts anderes als Flickwerk. Nun aber Rot-Grün die alleinige Schuld zu geben, wäre im höchsten Maß unfair. Denn schon die Regierung Kohl, sorgte unter anderem mit der übereilt und unüberlegt betriebenen Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten, für den Anfang des Desasters.
Geld regiert die Welt
Europa, oder besser gesagt Brüssel, verlangte zur Einhaltung des EU-Stabilitätspaktes einschneidende Sparmaßnahmen. Dem konnte sich auch der ehemalige Musterknabe Deutschland nicht verschließen. Doch nach Einführung des Euro, der sich, aufgrund einer nicht eingreifenden Regierung, schnell als Teuro erwies, ging es endgültig bergab mit Deutschland. Schröder gefiel sich in der Rolle des Staatsmannes, reiste um die Welt und traf seine Freunde in Moskau oder Paris. Dabei drängte er den eigentlichen Außenminister mehr und mehr in den Hintergrund. Wie schon in der Vergangenheit wurden Millionen verteilt, Schulden sogar in Milliardenhöhe erlassen, Geld das Deutschland letztlich fehlte. Schröder, in armen Verhältnissen aufgewachsen, huldigte dem Kapital zuviel. Die SPD rückte unter seiner Führung stark nach rechts und auf das neo-liberale Lager aus CDU/CSU und FDP zu. Das war einer der Fehler des Gerhard S. Weitere folgten.
Der Spieler
Man mag von Gerhard Schröder halten was man will, als Star der „Gerd-Show,“ war er unerreicht. Niemals zuvor gab es einen Politiker, der es verstand so virtuos mit den Medien umzugehen, wie er es tat. Nur als sie ihn letztlich nicht mehr hofierten, schmollte er. Er sei ein Schauspieler, warfen ihm viele Kollegen der schreibenden Zunft vor. Das ist unbestritten, aber er hat es gut gemacht. Nicht jedoch das Spiel mit der Kanzlerschaft. Viele SPD-Abgeordnete, vor allem aber die Grünen, wollten keine vorgezogenen Neuwahlen. Böse Zungen behaupten schon jetzt, Schröder habe sein Amt verspielt, als er alles auf eine Karte setzte. Daran änderte auch sein Bluff von vor einigen Wochen nichts, als er sich und die SPD zum Sieger der Bundestagswahl erklärte. Schon damals muss er gewusst haben, dass er verloren hat. Sieger sehen anders aus, sie benehmen sich vor allem anders. Sein Auftritt in der „Bonner Runde,“ war in der Tat suboptimal. Er kostete ihn weitere Sympathiepunkte, vielleicht sogar letztlich sein Amt.
Die Rache des Saarländers
Doch Gerhard Schröder ist nicht allein schuld, an seinem Scheitern. Die trägt ein kleiner Mann aus dem Saarland, Oscar Lafontaine, zu einem Teil mit. Dem ehemaligen SPD-Chef und jetzigen Angehörigen der Linkspartei, dürfte es ein innerer Reichsparteitag gewesen sein, den alten Rivalen stürzen zu sehen. Ob das allerdings nicht ein Pyrrhussieg ist, bleibt abzuwarten. Denn noch sind die Neulinken und Altkommunisten den Beweis schuldig geblieben, wirklich für Veränderungen in diesem Land sorgen zu wollen. Verstehen Sie mich nicht falsch liebe Leser, ich habe durchaus nichts gegen die neue Partei. Ganz im Gegenteil bringe ich dieser Gruppierung sogar gewisse Sympathien entgegen. Doch das Land ist auch aufgrund der Antipathie seiner Parteivorsitzenden, noch nicht reif für Rot-Rot-Grün.
Neues braucht das Land
Momentan heißt dieses „Neue“ nur Angela Merkel. Sie ist allerdings in der jetzigen Situation, die denkbar schlechteste Wahl. Vor allem deshalb, da sie niemand gewählt hat! Aber das ist den Parteioberen zur Zeit offenbar egal. Ihr Hunger nach Macht und ihre Ablehnung gegenüber der Nachfolgepartei der SED, sowie die Verbohrtheit eines FDP-Vorsitzenden, machten diese neue Konstellation erst möglich. Auf Dauer funktionieren wird sie nicht, davon bin ich überzeugt. Vier Jahre lang Schwarz-Rot? Unvorstellbar! Die Reformer in der SPD, egal ob sie nun der Parteilinken, oder dem rechten Seeheimer-Kreis zuzuordnen sind, täten gut daran, sich für die Zukunft neu zu positionieren. Aber auch die Abgeordneten der Linkspartei sollten sich fragen, ob und wie lange ein Oscar Lafontaine für sie tragbar ist, oder wann sie sich endlich von den alten SED-Genossen trennen. Nur so können sie vielleicht gemeinsam zu neuen Ufern aufbrechen und den schwarzen Mief vergangener Jahrzehnte, für alle Zeiten vergessen machen.
Das Ende einer Ära
Die Ära Schröder, ist nun unwiderruflich zu Ende gegangen. Ich bedauere das, denn ein so schlechter Kanzler war er nicht. Er mag Fehler gemacht haben, aber er machte sie konsequent und mit einer gewissen Eleganz. Doch sein Ende zeichnete sich bereits 2004 ab, als er das Amt des Parteivorsitzenden an Franz Müntefering übergab. Schröder ist letztlich auch an Schröder gescheitert. An seinem seinen eignen Vorgaben und Ideen, für welche die Zeit einfach nicht reif war. Die CDU wird es nicht besser können. Vor allem die Abrechnung mit dem ehemaligen Kanzler wird ausbleiben. Das ist vielleicht mit der positivste Punkt seines Scheidens. Die SPD-Minister werden zu verhindern wissen, dass ihre Ikone endgültig vom Sockel gestürzt wird. Auch wenn sie einige Risse, die man aber kitten kann, aufweist.
Quo vadis Gerhard S.?
Was macht ein Ex-Bundeskanzler nach sieben Jahren an der Regierung? Zieht er sich endgültig ins Privatleben zurück, oder arbeitet er in der Zweiten Reihe weiter (vorn) mit? Gerhard Schröder ist im besten Politikeralter. Nicht mehr jung, aber noch nicht ganz alt. Er könnte wollte er es, in einigen Jahren sein Comeback feiern. Zuzutrauen wäre es ihm ebenso, wie seinem Weggefährten Joschka Fischer. Momentan fällt es schwer sich vorzustellen, dass die beiden markanten Männer, dieses Land nicht mehr repräsentieren werden. Jeder war auf seine eigene Art und mit allen Eigenarten, einzigartig.
Abschließend bleibt von meiner Seite, auch wenn ich in der Vergangenheit oft wegen Telekom, Flatrate & Co. auf den Medienkanzler eingesdroschen habe, folgendes zu sagen: machen Sie es gut Herr Schröder. Auf Wiedersehen!