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Der Fluch der Raubkopie

von Roland Silberschmidt

In Zeiten in denen es zum guten Ton gehört, auf die mit dem Rücken zur Wand stehende rot-grüne Bundesregierung einzuschlagen, meldet sich auch wieder einmal die Junge Union Deutschlands (JU) zu Wort. Offenbar glaubt man dort wieder ein Thema gefunden zu haben, mit dem man zurück ins Rampenlicht katapultieren kann, nachdem der Kampf für eine Schmalband-Flatrate bereits in den Anfängen gescheitert war. Diesmal treten die christlichen Recken, gegen die Verbreitung von Raubkopien an. Auf den ersten Blick ein löbliches Vorhaben, würde man hiermit nicht noch die bestehende Problematik verschärfen.



Doch warum Problematik? Schauen wir uns dazu einmal die Aussage des des medienpolitische Sprechers der Jungen Union Daniel Walther an. Dieser erklärte dazu, daß im Interesse aller Urheber, Musik und Filmliebhaber, der rot-grüne Gesetzgeber der massenhaften Verbreitung von Raub- und Privatkopien, wirksam entgegen treten müsse. Die vorhandene Gesetzeslage so Walther, stamme noch aus dem "analogen Zeitalter," als der Kopie des Videofilms technische Grenzen waren. Dem Anwender zu Hause vor seinem Rechner, dem Käufer von DVDs und Musik-CDs, wird spätestens an genau dieser Stelle das Blut ins Gesicht steigen. Liegt doch oft genug eine überteuerte CD oder DVD vor ihm, die er mit seinem brandneuen PC aufgrund eines Kopierschutzes, gar nicht mehr abspielen kann. Selbst Autoradios verweigerten schon das lesen der Silberscheiben. Walther, als Sprecher der JU, hat sich offenbar von den fadenscheinigen Argumenten der Musik- und Filmlobby einnehmen lassen. Denn dort gehört jammern mittlerweile zum guten Ton. Fakt ist, daß es Umsatzrückggänge beim Verkauf von Musik-CDs gibt. Was aber nicht an der Verbreitung von Raubkopien liegt, sondern an den zu abenteuerlichen (T)Europreisen in den Regalen liegenden Datenträgern. Jugendliche die für eine aktuelle CD mal so eben über 20 Euro zahlen sollen, winken in der Regel entnervt ab. Diese nun zu kriminalisieren und ihnen zu unterstellen - wie es die Musik- und Filmbranche gern macht - sie würden sich die Titel auf illegalem Weg besorgen, ist das Pferd von hinten aufgezäumt.

In den USA geht man einen ganz anderen Weg. Auch dort gab und gibt es diese Diskussion. Doch anders als in Deutschland, hat man zumindest im Ansatz erkannt, daß man mit den hohen Preisen das Problem selbst in die Welt gesetzt hat. Daher hat Universal Music dort einen Preiskampf eingeläutet, um die Käufer zurück in die Läden zu locken. Eine Rechnung die durchaus aufgehen könnte, wurden die Preise für aktuelle CDs doch von teilweise bis zu 18,98 Dollar, auf im Durchschnitt 12 Dollar gesenkt. Nur im Hochpreisland Deutschland, wird vorerst abgewartet und auf die Hilfe der Politik gesetzt, wie man im vorliegenden Fall deutlich sieht. Die Politik als Volksverteter lässt sich wieder einmal vor den Karren der Industrie spannen. Offenbar vor dem Hintergrund der Drohung, daß sonst massiv Arbeitsplätze abgebaut würden, werden allzu willig die Parolen von EMI, Warner Music und Sony Music ausgegeben. Das Recht des Verbrauchers auf die Privatkopie, das es nach den Worten Walthers so gar nicht gibt, soll weiter eingeschränkt werden. Der Musikbranche wäre es wohl am liebsten, wenn der Käufer sein Geld an der Kasse ließe, die CD oder DVD aber auch. Zumindest eine Forderung erhebt die JU nicht, nämlich die sogenannte Problematik von Raubkopien in das Strafrecht zu verlagern. Allerdings wird ein Auskunftsanspruch gegen Internet Service Provider (ISP) gefordert.

Im Klartext bedeutet das, daß der Musikindustrie über die Polizeibehörden Tür und Tor zur Bespitzelung des Internet Nutzers geöffnet werden sollen. Die ISP sollen sogar zur Sperrung von ausländischen Internet Angeboten verpflichtet werden, heißt es in dem Papier der JU weiter. Eine mehr als lächerliche Forderung, denn das Internet funktioniert nur durch den internationalen Datenaustausch. Jede Blockierung, jeder wie auch immer geartete Filter, würde der Philosophie die hinter dem Weltumspannenden Netz steht, widersprechen und sofort für Gegenmaßnahmen seitens der Nutzer sorgen. Denn gerade Verbote, Gesetze und politischer Zwang, bewirken oft genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich erreichen sollen. Der bessere Weg für höhere Umsätze in den Plattenläden wären faire Preise, sowie ein Verzicht auf die teilweise abstrusen Kopierschutzmaßnahmen. Denn gerade letzere lassen eine blühende Subkultur entstehen, in der es findigen Programmierern immer wieder gelingt, die Schutzmechanismen auszuhebeln. Daß dies teilweise, wie in dem Fall des Norwegers Jon Lech Johansen, auch DVD-Jon genannt, nur zu rein privaten Zwecken erfolgte, ist verständlich. Mit Genugtuung hat die weltweite Internet-Gemeinde den Freispruch des jungen Mannes zur Kenntnis genommen. Und es darf davon ausgegangen werden, daß die Musikbranche hier nicht ihre letzte Niederlage erlitten hat.

Vielleicht sollten sich die altehrwürdigen Musikbosse in ihren grauen Anzügen einmal an ihre Jugendzeit erinnern, als sie die Rebellen waren. Als sie mit Jeans und Elvis-Frisur, mit Rockmusik und Plakaten, gegen die bestehende Ordnung protestierten. Als sie die Welt wie sie existierte, in ihren Grundfesten erschütterten. Aber offenbar waren diese Menschen niemals jung, oder haben diese Zeit schon lange vergessen. Unter dem Deckmantel die Interessen der Künstler zu schützen, werden daher zumeist Jugendliche als Straftäter an den Pranger gestellt. Dabei geht es doch meist nur darum, die eigenen Interessen zu schützen, noch mehr Geld in die eigenen Taschen zu leiten. Exempel werden statuiert und sollen zur Abschreckung dienen. Doch so funktioniert die Welt nicht. Druck erzeugt immer Gegendruck und leistet dem Protest und Widerstand Vorschub. Dies sollte man vielleicht bei der JU einsehen und statt gegen den Bürger, für den Bürger kämpfen. Jede Kriminalisierung, jedes Verbot, jede Einschränkung, ist der denkbar falsche Weg in dieser Beziehung. Das sollte man sich vielleicht auf die angeblich so christlichen Fahnen schreiben und sich nicht vor einen irgend einen Karren spannen lassen. Aber es ist viel einfacher gegen etwas oder jemand zu sein, als dafür. Mit einer Forderung für geringere Preise und einer Entschärfung der ohnehin schon von den Musik- und Filmbranche diktierten Gesetzeslage, würde man bei den Jugendlichen die irgendwann einmal zu Wählern werden, mit Sicherheit mehr Punkte sammeln. Jede Forderung nach einer weiteren Verschärfung oder Einschränkung im Bereich der Privatkopie, ist der falsche Weg und damit abzulehnen.



Veröffentlicht am Sonntag, 15.Februar. @ 11:24:06 CET von Roland

 
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