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Internet

AOL stellt Schmalband-Flatrate ein

Der Traum ist ausgeträumt, endgültig vorbei. Die Rede ist von der Schmalband-Flatrate, die der Online-Dienst AOL im Sommer 2001 eingeführt hatte. Sang- und klanglos verkündete nun der Pressesprecher von AOL Jens Nordlohne, daß man den Tarif aus Kostengründen einstellen werde. Aufgrund der von der Deutschen Telekom geforderten Gebühren, sei eine Flatrate in Deutschland für AOL nicht tragbar.

Wie alles begann

Ein Paukenschlag sollte es werden, damals im Sommer vor knapp zwei Jahren als AOL ein Bündel, bestehend aus einer DSL-, sowie einer Schmalband-Flatrate schnürte. Clever versicherte man sich der Hilfe 'befreundeter' Online-Magazine, um den Coup sicher zu landen. Das zumindest war der Plan, der auch von diversen Magazinen so aufgegriffen und umgesetzt wurde. Die gleichen Magazine übrigens, die nun relativ emotionslos und ohne Tiefgang über die Einstellung der Flatrate schreiben. Pro Woche sollten 1.000 Flatrates verlost werden, verkündete AOL vor 2 Jahren, nachprüfbar war das schon damals nicht. Wieviel es dann letztlich waren weiß man wohl nur bei AOL selbst, allerdings dürfte es eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Neuzeit sein.

Die Suche nach dem Schuldigen

Doch wer ist nun schuld an der Einstellung der Flatrate? Soll und muß man AOL nun verdammen, oder gibt es etwa einen ganz anderen Schuldigen? Moralisch hat sich AOL schuldig gemacht, denn der Online-Dienst hat die Flatrate wider besseres Wissen angeboten und querfinanziert. Denn die Situation in Deutschland, in der die Deutsche Telekom nach wie vor die Hoheit im Ortsbereich hat, war damals wie heute die gleiche. Und eine Regelung nach dem ST-FRIACO-Modell wie etwas in Großbritannien, läßt noch heute auf sich warten. Ist nun die Telekom der Hauptschuldige? Auch hier kann man höchstens von einer Mitschuld sprechen, denn der rosa Riese ist ein gewinnorientiertes Unternehmen, welches Leistungen natürlich gewinnbringend verkaufen möchte. Die wirklich Schuldigen sitzen in Mainz und Berlin, nämlich in Form der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP) und der rot-grünen Bundesregierung.

Regelungen

Weder Bundesregierung noch RegTP haben es in den letzten Jahren fertiggebracht, das goldene Kalb Telekom zu schlachten. Zu wertvoll sind die Einnahmen, zu tief die Verflechtungen von Politikern aller Parteien. Allzu halbherzig wurde die Regulierung angegangen und statt wirklichen Wettbewerb zu fördern, wurde dieser oft im Keim erstickt. Eine Neuregelung des Telekommunikationsetzes läßt daher ebenfalls noch auf sich warten und es entstehen daher solche Stilblüten wie die Verteuerung des gerade erst gestarteten Call by Call im Ortsbereich. Ob dies nun Absicht oder einfach nur Dummheit ist, soll einmal dahingestellt bleiben. Fakt ist jedoch, daß mit dem Aus der AOL Schmalband-Flatrate, es vielen Internet-Nutzern nicht mehr in dem Maße wie bisher möglich sein wird, das weltweite Netz kostengünstig zu nutzen. Denn viele dieser Nutzer wohnen in ländlichen Gebieten, in denen entweder nie, oder zumindest nicht in absehbarer Zukunft ein DSL-Ausbau möglich oder geplant ist. Diese Nutzer dürfen nun wieder auf Internet by Call umsteigen und haben wie vor 2 Jahren den Gebührenzähler im Nacken.

Kommentar:

Wer mich kennt weiß daß ich jetzt sauer bin. Sauer auf AOL, die Deutsche Telekom und die verlogene Bande in Berlin, die sich unsere Regierung nennt. Und auch wenn aus wirtschaftlicher Sicht die Einstellung der Flatrate letztich ein muß für AOL war und ich sie rational verstehe, so stehe ich zumindest emotional auf der Seite all der Menschen, die durch diese Entscheidung nun ihre Flatrate verloren haben. Ich kann, will und werde es auch nie verstehen, wie ein Land das sich als ein Zentrum der Hochtechnologie versteht nicht dazu in der Lage ist, eine Regelung zu verabschieden die letztlich allen zugute käme. Wieder einmal lachen unsere europäischen Nachbarn über die Deutschen, die sich mit all ihren Gesetzen, Verordnungen und Erlässen nur selbst im Weg stehen und nicht aber auch gar nichts geregelt bzw. dereguliert bekommen. Denn was in den europäischen Nachbarstaaten längst Realität ist, wird es in diesem Land hier so wohl nie geben. Einzig deshalb, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Armes Deutschland...



Veröffentlicht am Montag, 19.Mai. @ 20:23:59 CEST von Roland

 
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